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Article: Wie ein Schmuckstück entsteht – Teil 2: Lost-Wax-Casting – von Wachs zu Silber

Wie ein Schmuckstück entsteht – Teil 2: Lost-Wax-Casting – von Wachs zu Silber

Wie ein Schmuckstück entsteht – Teil 2: Lost-Wax-Casting – von Wachs zu Silber

Letzten Monat haben wir unseren kleinen Wachsring auf der Werkbank zurückgelassen. Fertig geschnitzt, jedes Detail ausgearbeitet und noch so weich, dass man ihn mit dem Fingernagel eindrücken konnte.

Diese Woche geht es ins Feuer.

Und als Wachs kommt er nicht wieder heraus.

Wenn es in Teil 1 vor allem um Geduld ging, geht es dieses Mal um Veränderung. Das ist der Moment, in dem aus einem kleinen, empfindlichen Wachsmodell etwas entsteht, das du tatsächlich für viele Jahre tragen kannst.

Klingt ein bisschen dramatisch?

Ist es ehrlich gesagt auch.


Warum heißt es eigentlich „Lost Wax“?

Weil genau das passiert: Das Wachs geht verloren.

Es wird nicht einfach weggeschnitten oder wiederverwendet. Es wird eingeschmolzen und verschwindet vollständig. Und genau das ist der Sinn des Ganzen.

Sobald unser Wachsring fertig geschnitzt ist, wird er zusammen mit anderen Schmuckstücken an einem dünnen Wachsstab befestigt. So entsteht ein sogenannter Gussbaum.

Er sieht tatsächlich ein bisschen wie ein kleiner Wachszweig aus. Die einzelnen Ringe und Anhänger hängen daran wie kleine Früchte.

Dieser Gussbaum wird anschließend mit einer gipsähnlichen Masse, dem sogenannten Einbettmaterial, umgeben. Die Masse härtet aus und bildet einen festen Block um das Wachs.

Dann kommt das Ganze kopfüber in den Brennofen und wird auf sehr hohe Temperaturen erhitzt.

Das Wachs schmilzt und läuft heraus.

Zurück bleibt ein Hohlraum – exakt in der Form des Rings, den wir vorher von Hand geschnitzt haben.

Und genau dieser Hohlraum ist das Geheimnis.

Das Wachs ist offiziell „verloren“. Dafür haben wir jetzt eine Form, die jedes Detail unseres ursprünglichen Modells übernommen hat.

Das ist ehrlich gesagt einer unserer liebsten Momente im ganzen Prozess.

Denn etwas muss vollständig verschwinden, bevor etwas Neues seinen Platz einnehmen kann.

Ein bisschen poetisch ist das schon, oder?

Wie wird aus dem Hohlraum dann Silber?

Jetzt wird es ein bisschen dramatisch.

Während die Form noch glühend heiß aus dem Brennofen kommt, wird Silber in einem Tiegel eingeschmolzen, bis es vollständig flüssig ist.

Anschließend wird das flüssige Silber mithilfe von Zentrifugalkraft oder Vakuumdruck in die Hohlform gedrückt. Es fließt in jede kleine Vertiefung, jede Kurve und jeden Winkel, den wir zuvor in das Wachs geschnitzt haben.

Auch die kleinsten Details werden dabei übernommen.

Die Form muss für diesen Schritt noch heiß sein. Würde sie zu schnell abkühlen, könnte das Silber nicht mehr richtig in alle feinen Bereiche fließen und das Schmuckstück wäre am Ende nicht vollständig.

Sobald das Silber gegossen ist und die Form abgekühlt ist, kommt der spannende Moment:

Sie wird ins Wasser getaucht.

Das harte Einbettmaterial bricht auf und gibt den Gussbaum frei.

Und plötzlich ist da kein Wachs mehr.

Da ist Silber.

Noch rau und unfertig, aber eindeutig dasselbe kleine Schmuckstück, das vorher als Wachsmodell auf unserer Werkbank lag.

Warum sieht jeder Guss ein bisschen anders aus?

Weil bei diesem Prozess nichts einfach auf Knopfdruck passiert.

Es geht um Hitze, Timing, Druck – und ein kleines bisschen Vertrauen.

Die Temperatur des Metalls, der genaue Moment des Gießens, wie das Silber durch die Form fließt und selbst kleine Veränderungen im Einbettmaterial können das Ergebnis beeinflussen.

Deshalb können sogar zwei Ringe, die aus demselben Gussbaum kommen, bei genauerem Hinsehen kleine Unterschiede haben.

Und genau das lieben wir.

Es ist auch der Grund, warum wir Wabi-Sabi so mögen – nicht nur als Ästhetik, sondern als Haltung.

Ein Schmuckstück, das aus Feuer, Metall und menschlichen Händen entsteht, muss nicht exakt aussehen wie tausend andere.

Es darf eine kleine Spur dieses Moments in sich tragen.

Der Gussbaum – vorher und nachher

Wenn man einen Gussbaum zum ersten Mal sieht, wirkt er fast ein bisschen surreal.

Viele kleine Ringe und Anhänger, die an einem zentralen Stab hängen. Fast wie ein seltsamer kleiner Obstbaum.

Und dann kommt das Feuer.

Das Silber.

Das Wasser.

Und derselbe Baum kommt plötzlich fest, glänzend und dauerhaft wieder zum Vorschein.

Es ist jedes Mal ein bisschen verrückt zu sehen, dass beide Versionen eigentlich dasselbe Objekt sind.

So entstehen einige unserer Schmuckstücke

Das Lost-Wax-Casting gehört zu den ältesten Methoden der Schmuckherstellung und ist trotzdem eine Technik, zu der wir immer wieder zurückkehren.

Vor allem bei Schmuckstücken mit weichen, organischen Formen, die ursprünglich als von Hand geschnitztes Wachsmodell entstehen.

Es braucht Geduld, Hitze und den richtigen Moment, um die Kontrolle ein Stück weit abzugeben.

Und vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum wir diesen Prozess so lieben.

Denn am Ende hältst du nicht einfach ein Schmuckstück in der Hand.

Du hältst all die einzelnen Schritte, Entscheidungen und kleinen Unregelmäßigkeiten in der Hand, die es bis dahin gebraucht hat.

Wenn dich dieser Prozess genauso fasziniert wie uns, könntest du unsere Jewelry Making Workshops lieben. Dort kannst du selbst erleben, wie aus einer Idee langsam ein echtes Schmuckstück wird.

Und im nächsten Teil nehmen wir den noch rauen Silberguss und machen daraus etwas, das du tatsächlich tragen möchtest.

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